Sanftanlasser oder Frequenzumrichter? Unterschiede und Auswahl
Sanftanlasser oder Frequenzumrichter: Beide senken den Anlaufstrom, aber nur der Umrichter regelt die Drehzahl und liefert beim Anlauf das volle Drehmoment. Hier steht, wie beide arbeiten, wann welcher passt und wie man einen Sanftanlasser auswählt und einstellt.
Das Problem: der Anlaufstrom
Ein Drehstrom-Asynchronmotor, der direkt ans Netz geschaltet wird, zieht beim Anlauf ein Vielfaches seines Nennstroms. Nach Angaben des ZVEI liegt der Einschaltstrom bei konventionellen Motoren beim 6- bis 8-Fachen, bei Energieeffizienzmotoren bis zum 15-Fachen. Gleichzeitig entsteht ein Drehmomentstoß, der Getriebe, Kupplungen, Riemen und das Fördergut belastet. Der hohe Strom lässt die Netzspannung einbrechen und kann Sicherungen auslösen lassen. Sanftanlasser (Softstarter) und Frequenzumrichter lösen beide dieses Problem, aber auf unterschiedliche Weise.
Wie ein Sanftanlasser arbeitet
Der Sanftanlasser steuert die Motorspannung über Thyristoren im Phasenanschnitt. Beim Start legt er nur einen Teil der Netzspannung an und erhöht sie über eine einstellbare Rampe bis zur vollen Spannung. Danach überbrückt bei den meisten Geräten ein eingebautes Kontaktsystem (Bypass) die Thyristoren, im Betrieb entstehen dann kaum noch Verluste. Beim Ausschalten kann er die Spannung ebenso langsam zurücknehmen (Sanftauslauf).
Die Frequenz bleibt dabei gleich, der Motor läuft am Ende immer mit Netzdrehzahl. Der Anlaufstrom sinkt laut ZVEI auf etwa das 2,5- bis 5-Fache des Nennstroms. Wichtig ist die Kehrseite: Das Drehmoment eines Asynchronmotors sinkt ungefähr mit dem Quadrat der Spannung. Bei halber Spannung bleibt nur noch etwa ein Viertel des Drehmoments. Deshalb eignet sich der Sanftanlauf für Lasten, die beim Anlauf wenig Drehmoment brauchen, und nicht für Maschinen, die unter voller Last anlaufen müssen.
Einfache Geräte steuern nur zwei der drei Phasen, die dritte ist durchverbunden. Bei Siemens arbeiten zum Beispiel die Baureihen 3RW30 und 3RW40 so. Leistungsfähigere Geräte haben zusätzlich eine einstellbare Strombegrenzung, elektronischen Motorüberlastschutz und einen Pumpenauslauf.
Wie ein Frequenzumrichter arbeitet
Der Frequenzumrichter richtet die Netzspannung gleich und erzeugt daraus ein neues Drehstromnetz mit veränderlicher Frequenz und Spannung. Damit lässt sich die Motordrehzahl stufenlos einstellen, und der Motor kann schon bei niedriger Drehzahl sein volles Drehmoment abgeben, ohne dass der Netzstrom wesentlich über den Nennstrom steigt. Wie Umrichter aufgebaut sind und eingestellt werden, steht im Ratgeber Frequenzumrichter.
Vergleich auf einen Blick
| Direktanlauf | Stern-Dreieck | Sanftanlasser | Frequenzumrichter | |
|---|---|---|---|---|
| Anlaufstrom | sehr hoch | reduziert, Stromspitze beim Umschalten | einstellbar, etwa 2,5–5 × Nennstrom | etwa Nennstrom |
| Anlaufmoment | voll, als Stoß | etwa ein Drittel | stark reduziert | voll, auch bei kleiner Drehzahl |
| Drehzahl einstellbar | nein | nein | nein | ja |
| Verluste im Betrieb | keine | keine | gering (Bypass) | einige Prozent |
| EMV und Oberschwingungen | unkritisch | unkritisch | nur während des Anlaufs | Filter, Drossel und geschirmte Motorleitung nötig |
| Aufwand und Preis | gering | gering, aber 6 Leiter zum Motor | mittel | höher |
Den Stern-Dreieck-Anlauf und den Direktanlauf mit Motorschutz beschreibt der Ratgeber Motorstarter.
Wann der Sanftanlasser die bessere Wahl ist
- Feste Drehzahl: Der Motor soll nur sanft anlaufen und dann mit Nenndrehzahl laufen.
- Leichter Anlauf: Kreiselpumpen, Lüfter, unbelastet anlaufende Verdichter, Förderbänder, Rührwerke, Sägen.
- Pumpen mit Druckstößen: Der Pumpenauslauf verhindert Wasserschläge in der Rohrleitung beim Abschalten.
- Wenig Platz und Wärme: Mit Bypass entsteht im Betrieb kaum Verlustwärme im Schaltschrank.
- Großer Motor, schwaches Netz: Der Anlaufstrom wird begrenzt, ohne den Aufwand eines Umrichters.
Wann ein Frequenzumrichter nötig ist
- Drehzahl soll sich ändern: Förderbänder mit wechselnder Geschwindigkeit, Pumpen und Lüfter mit Regelung auf Druck oder Durchfluss.
- Schwerer Anlauf: Maschinen, die unter Last anlaufen müssen, etwa Hubwerke, Mühlen oder volle Förderbänder.
- Energie sparen im Teillastbetrieb: Bei Pumpen und Lüftern sinkt die Leistung stark mit der Drehzahl. Wer statt Drossel oder Klappe die Drehzahl reduziert, spart Strom.
- Positionieren, Bremsen, Drehrichtung wechseln: Das kann nur der Umrichter.
Ein Frequenzumrichter verursacht Oberschwingungen im Netz und hochfrequente Störungen auf der Motorleitung. Netzdrossel, EMV-Filter und eine geschirmte Motorleitung gehören deshalb meist dazu, siehe Ratgeber Netzdrossel und EMV-Filter und Ratgeber geschirmte Leitungen.
Sanftanlasser auswählen und einstellen
- Motorstrom und Anlaufart: Ausgewählt wird nach dem Bemessungsstrom des Motors und der Anlaufklasse. Für Schweranlauf oder häufiges Schalten nennen die Hersteller größere Geräte.
- Standard- oder Wurzel-3-Schaltung: Bei der Wurzel-3-Schaltung (Innendreieck) sitzt der Sanftanlasser in den Strängen der Dreieckwicklung und führt nur etwa 58 % des Leiterstroms. Der Siemens 3RW5214 ist zum Beispiel bei 400 V in Standardschaltung für 7,5 kW, in Wurzel-3-Schaltung für 15 kW angegeben. Dafür braucht der Motor sechs Anschlüsse wie beim Stern-Dreieck-Anlauf.
- Funktionen: Strombegrenzung, Motorüberlastschutz, Thermistorauswertung, Pumpenauslauf, Kommunikation mit der Steuerung.
- Einstellen: Startspannung so niedrig, dass der Motor gerade sicher losläuft; Rampenzeit so lang, dass der Strom begrenzt bleibt, aber kurz genug für die Erwärmung. Bei Geräten mit Strombegrenzung wird der Grenzwert über dem Strom gewählt, den der Antrieb zum Hochlaufen tatsächlich braucht.
- Absicherung: Für den Kurzschlussschutz geben die Hersteller passende Sicherungen oder Leistungsschalter je Gerät an. Bei Geräten ohne eingebauten Motorschutz gehört ein Motorschutzschalter davor, siehe Ratgeber Motorschutzschalter einstellen.
Beispiele aus dem Sortiment
- Siemens SIRIUS 3RW3013-2BB04 – Basisgerät 3,6 A, 0,75 kW bei 400 V, ohne Strombegrenzung und Motorschutz, Bypass integriert
- Siemens SIRIUS 3RW3026-1BB04 – Basisgerät 25 A, Steuerspannung 24 V
- Siemens SIRIUS 3RW4024-1BB15 – 12,5 A, 600 V
- Siemens SIRIUS 3RW4026-1BB14 – 25 A, 5,5 kW, Steuerspannung 110–230 V
- Siemens SIRIUS 3RW5213-1AC15 – 13 A, 600 V
- Siemens SIRIUS 3RW5214-1AC14 – 18 A, Strombegrenzung, Motorüberlastschutz, Pumpenauslauf, Wurzel-3-Schaltung
- Siemens SIRIUS 3RW5216-1AC14 – 32 A, 480 V
- Siemens SIRIUS 3RW5055-2AB15 – 143 A, 600 V, Analogausgang
- Siemens SIRIUS 3RW5513-1HA15 – Baureihe 3RW55 für anspruchsvolle Anwendungen, 13 A
- Siemens SIRIUS 3RW5513-3HF14 – 3RW55 in Failsafe-Ausführung, 13 A
- Siemens SENTRON 5TT3440 – Sanftanlaufgerät für den Verteiler, 300–5.500 W, 400 V
Sanftstarter Frequenzumrichter
Häufige Fragen
Ist ein Softstarter ein Frequenzumrichter?
Nein. Der Softstarter senkt nur beim Anlauf die Spannung, die Frequenz und damit die Enddrehzahl bleiben gleich. Der Frequenzumrichter erzeugt Frequenz und Spannung neu und kann die Drehzahl dauerhaft verstellen.
Welche Nachteile hat ein Sanftanlauf?
Das Anlaufmoment sinkt stark, weil es mit dem Quadrat der Spannung abnimmt. Für Maschinen, die unter Last anlaufen, reicht es oft nicht. Die Drehzahl lässt sich nicht verstellen, und während des Anlaufs entsteht Wärme in den Thyristoren, die die Schalthäufigkeit begrenzt.
Wie hoch ist der Anlaufstrom mit Softstarter?
Typisch etwa das 2,5- bis 5-Fache des Motornennstroms, je nach Last und Einstellung. Beim Direktanlauf ist es das 6- bis 8-Fache, bei Energieeffizienzmotoren mehr.
Senkt ein Sanftanlauf die Stromrechnung?
Kaum. Er reduziert die Stromspitze beim Start, im Betrieb läuft der Motor über den Bypass wie am Netz. Energie spart erst ein Frequenzumrichter, wenn er die Drehzahl im Teillastbetrieb absenkt.
Wann braucht man einen Softstarter?
Wenn ein Motor mit fester Drehzahl sanft anlaufen soll, etwa um Stromspitzen, Druckstöße in Rohrleitungen oder Schläge auf Getriebe und Riemen zu vermeiden, und keine Drehzahlregelung gebraucht wird.
Quellen: ZVEI-Broschüre „Motor starten – Ressourcen schonen“ (2023; Anlaufströme); Siemens-Handbuch SIRIUS 3RW30/3RW40 (zweiphasige Steuerung) und Datenblatt 3RW5214 (Leistung Standard-/Wurzel-3-Schaltung), per Websuche 31.10.2026 geprüft; IEC 60947-4-2 (Halbleiter-Motorsteuergeräte); Herstellerangaben zu den Artikeln in unserem Sortiment, Stand 31.10.2026.