Performance Level (ISO 13849): PL a bis e, PLr und Kategorien verstehen
Die kurze Antwort: Der Performance Level beschreibt in fünf Stufen (a bis e), wie zuverlässig eine Sicherheitsfunktion ihren Job macht – e ist die höchste. Die Risikobeurteilung legt fest, welcher Level erforderlich ist (PLr); Architektur, Bauteilzuverlässigkeit und Diagnose entscheiden, welcher Level erreicht wird. Dieser Ratgeber erklärt die Begriffe – er ersetzt keine Berechnung und keine Risikobeurteilung.
Worauf sich der PL bezieht: die Sicherheitsfunktion
Ein PL wird nicht für eine Maschine und nicht für ein einzelnes Bauteil vergeben, sondern für eine Sicherheitsfunktion – zum Beispiel „Not-Halt stillsetzen“ oder „Schutztür überwachen“. Jede Sicherheitsfunktion ist eine Kette: Sensor (Befehlsgerät, Schutztürschalter) → Logik (Sicherheitsschaltgerät, z. B. ein PNOZ s3) → Aktor (Schütze, Ventile). Der erreichte PL gilt für die ganze Kette – und das schwächste Glied begrenzt ihn. Was Not-Halt von Not-Aus unterscheidet, klärt der Not-Halt-Ratgeber; die Geräteauswahl der Auswertung der Sicherheitsrelais-Ratgeber.
PLr: Wie viel Sicherheit gefordert ist
Den erforderlichen Performance Level (PLr) liefert die Risikobeurteilung über drei Fragen der Norm: Wie schwer wäre die Verletzung (S), wie häufig oder lange ist jemand der Gefahr ausgesetzt (F), und ist die Gefahr vermeidbar (P)? Je ungünstiger die Antworten, desto höher der geforderte Level – von PL a bis PL e. Diese Einstufung ist Aufgabe des Maschinenherstellers im Rahmen der Risikobeurteilung; ein Ratgeber kann sie nicht abnehmen.
Die vier Zutaten des erreichten PL
| Zutat | Bedeutung | Kurz gesagt |
|---|---|---|
| Kategorie (B, 1–4) | die Architektur der Schaltung: einkanalig, einkanalig bewährt, mit Testung, zweikanalig, zweikanalig mit Überwachung jedes Fehlers | die Struktur |
| MTTFd | mittlere Zeit bis zum gefahrbringenden Ausfall der Bauteile (Herstellerangabe) | die Bauteilqualität |
| DC (Diagnosedeckungsgrad) | welcher Anteil gefahrbringender Ausfälle durch Selbstüberwachung erkannt wird | die Fehlererkennung |
| CCF | Maßnahmen gegen Ausfälle gemeinsamer Ursache (beide Kanäle gleichzeitig) | die Unabhängigkeit der Kanäle |
Wichtig: Die Kategorie allein ist kein PL. Eine zweikanalige Struktur (Kategorie 3) mit schlechten Bauteilen kann einen niedrigeren PL erreichen als eine sauber gerechnete einfachere Lösung. Erst das Zusammenspiel aller vier Größen ergibt den erreichten Level – die Zahlenwerte dafür liefern die Gerätehersteller in den Sicherheitskennwerten ihrer Datenblätter.
In vier Schritten durch die PL-Logik
- Sicherheitsfunktion benennen: Was genau soll sicher passieren (stillsetzen, überwachen, verhindern)? Jede Funktion wird einzeln betrachtet.
- PLr aus der Risikobeurteilung: S, F, P bewerten – das Ergebnis ist der geforderte Level für genau diese Funktion.
- Kette auswählen: Sensor, Logik und Aktor mit passenden Sicherheitskennwerten (PL/Kategorie bzw. SIL laut Datenblatt) – das schwächste Glied zählt.
- Nachweis führen: erreichten PL gegen PLr rechnen und dokumentieren – dafür gibt es etablierte Werkzeuge und die Kennwerte der Hersteller; die Verantwortung liegt beim Ersteller der Risikobeurteilung.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PL und PLr?
PLr ist der geforderte Level aus der Risikobeurteilung (S, F, P). PL ist der erreichte Level der gebauten Lösung. Die Anlage ist in Ordnung, wenn der erreichte PL mindestens dem PLr entspricht – für jede Sicherheitsfunktion einzeln.
Ist Kategorie 3 dasselbe wie PL d?
Nein. Die Kategorie beschreibt nur die Struktur (z. B. zweikanalig). Der PL folgt erst aus Kategorie plus MTTFd, DC und CCF-Maßnahmen. Kategorie 3 kann je nach Bauteilen verschiedene Level erreichen.
Wie hängen PL und SIL zusammen?
Beide beschreiben die Zuverlässigkeit von Sicherheitsfunktionen – PL nach ISO 13849, SIL nach IEC 62061. Übliche Zuordnung: PL e ↔ SIL 3, PL d ↔ SIL 2, PL b/c ↔ SIL 1 – als Orientierung, die Nachweise laufen je Norm getrennt.
Gilt der PL für die ganze Maschine?
Nein – für jede einzelne Sicherheitsfunktion. Eine Maschine hat typischerweise mehrere Funktionen mit unterschiedlichen PLr (Not-Halt, Schutztür, Zustimmbetrieb), die getrennt bewertet werden.
Wer legt den erforderlichen Performance Level fest?
Der Ersteller der Risikobeurteilung – in der Regel der Maschinenhersteller bzw. bei wesentlichen Änderungen der Betreiber. Gerätelieferanten liefern die Sicherheitskennwerte, nicht die Einstufung.
Reicht ein „PL-e-Bauteil“ für eine PL-e-Funktion?
Nur, wenn die gesamte Kette mitspielt: Sensor, Logik und Aktor. Das schwächste Glied begrenzt den erreichten Level der Funktion – ein einzelnes hochwertiges Gerät hebt eine schwache Kette nicht an.
Grundlage: Begriffssystematik der ISO 13849-1 (Performance Level, PLr-Parameter S/F/P, Kategorien, MTTFd/DC/CCF) nach gängiger Hersteller- und IFA-Sekundärliteratur; SIL-Gegenüberstellung als übliche Zuordnung. Stand August 2026. Dieser Ratgeber ersetzt weder die Risikobeurteilung noch den rechnerischen PL-Nachweis; maßgeblich sind die Norm und die Sicherheitskennwerte der eingesetzten Geräte.