Sicherheitsrelais: Funktion, Auswahl und Abgrenzung
Die kurze Antwort: Ein Sicherheitsrelais ist die überwachte Auswertelogik zwischen Sensor und Abschaltung – redundant aufgebaut, selbstüberwachend und mit zwangsgeführten Kontakten, damit ein einzelner Fehler (etwa ein verschweißter Kontakt) nie die Sicherheitsfunktion außer Kraft setzt. Genau das kann ein normales Relais oder Schütz nicht – deshalb ist es an gefährlichen Maschinen nicht zulässig.
Was ein Sicherheitsrelais leistet
Sicherheitsrelais (auch Sicherheitsschaltgeräte) erfüllen die Anforderungen der EN 60947-5-1 und EN 60204-1/VDE 0113-1 und überwachen die klassischen Sicherheitsfunktionen der Maschine: Not-Halt-Taster, Schutztüren, Lichtgitter, Schaltmatten, Zweihand-Bedienung und zeitverzögerte Abschaltungen. Drei Eigenschaften machen sie sicher:
| Eigenschaft | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Redundanz mit Selbstüberwachung | Die Schaltung ist zweikanalig aufgebaut – die Sicherheitsfunktion bleibt auch beim Ausfall eines Bauteils erhalten. |
| Zwangsgeführte Kontakte | Öffner und Schließer sind mechanisch so gekoppelt, dass ein verschweißter Kontakt erkennbar bleibt – das Gerät verweigert dann das Wiedereinschalten. |
| Zyklischer Selbsttest | Bei jedem Ein-Aus-Zyklus der Maschine wird automatisch geprüft, ob die internen Relais korrekt öffnen und schließen. |
Wie das Prinzip funktioniert: zwei Kanäle und der Rückführkreis
Der klassische Aufbau ist der 3-Schütz-Kombination nachempfunden: Zwei interne Relais mit zwangsgeführten Kontakten stellen die Freigabestrompfade, zwei Eingangskreise (CH1/CH2) werten den Sensor zweikanalig aus, ein Startkreis gibt frei. Der oft übersehene Klemmenpunkt ist der Rückführkreis (Y1/Y2): Dort werden die Spiegelkontakte der nachgeschalteten Schütze eingeschleift – klebt ein Schütz, verhindert das Sicherheitsrelais den Wiederanlauf. Wer den Rückführkreis brückt, hebelt genau diese Überwachung aus – der häufigste Praxisfehler beim Verdrahten. Auch Fehler im Eingangskreis (verschweißter Not-Halt-Kontakt, Erdschluss) werden erkannt.
Auswahl: die fünf Fragen
- Welche Sicherheitsfunktion? Not-Halt, Schutztür, Lichtgitter, Zweihand oder Spezialfälle wie Drehzahl-/Stillstandsüberwachung – dafür gibt es jeweils passende Geräte. (Grundlagen zum Not-Halt selbst: Not-Halt oder Not-Aus?)
- Welche Architektur fordert die Risikobeurteilung? Ein- oder zweikanalige Beschaltung, Querschluss-/Fehlererkennung – der geforderte Performance Level nach ISO 13849-1 kommt aus der Risikobeurteilung der Maschine, nicht aus dem Katalog.
- Wie viele Kontakte? Anzahl der Freigabestrompfade und Meldekontakte zählen; reicht es nicht, erweitern Kontaktvervielfältiger und Koppelrelais mit zwangsgeführten Kontakten – deren Rückmeldung gehört in den Rückführkreis.
- Relais- oder Halbleiterausgang? Kontaktausgänge sind potentialfrei und lastfest; elektronische Geräte sind verschleißfrei, diagnosefähig und busfähig.
- Wie viele Funktionen insgesamt? Ab mehreren Sicherheitsfunktionen ist eine konfigurierbare Sicherheits-Kleinsteuerung (z. B. PNOZmulti) meist wirtschaftlicher als viele Einzelgeräte.
Beispiele aus unserem Sortiment
- Pilz PNOZ s3 – der Klassiker für Not-Halt- und Schutztürüberwachung, 22,5 mm schmal
- Siemens SIRIUS 3SK1111 – Sicherheitsschaltgerät 24 V AC/DC
- Phoenix REL-SR (zwangsgeführt) – Koppelrelais zur Kontaktvervielfältigung mit zwangsgeführten Kontakten
- Phoenix PSR-Erweiterungsmodul – zusätzliche Freigabestrompfade am Grundgerät
Sicherheitsrelais im Shop ansehen Ratgeber Not-Halt/Not-Aus
Häufige Fragen
Was macht ein Sicherheitsrelais?
Es wertet Sicherheitssensoren (Not-Halt, Schutztür, Lichtgitter) zweikanalig und selbstüberwachend aus und schaltet die Maschine über redundante, zwangsgeführte Kontakte sicher ab. Fehler wie verschweißte Kontakte werden erkannt und verhindern den Wiederanlauf.
Warum reicht ein normales Relais nicht?
Relais- und Schützkontakte können nach vielen Schaltzyklen verschweißen – der Not-Halt würde dann wirkungslos. Ein Sicherheitsrelais erkennt diesen Fehler durch Redundanz, zwangsgeführte Kontakte und zyklischen Selbsttest; einfache Relais sind dafür normativ nicht zugelassen.
Was bedeutet „zwangsgeführte Kontakte“?
Öffner und Schließer sind mechanisch so gekoppelt, dass sie nie gleichzeitig geschlossen sein können. Verschweißt ein Schließer, bleibt der zugehörige Öffner offen – das Gerät erkennt den Fehler und verweigert die Freigabe.
Wofür ist der Rückführkreis (Y1/Y2)?
Dort werden die Spiegelkontakte der nachgeschalteten Schütze eingeschleift. Klebt ein Schütz, verhindert das Sicherheitsrelais den Wiederanlauf. Den Rückführkreis zu brücken hebelt diese Überwachung aus – der häufigste Verdrahtungsfehler.
Welchen Performance Level brauche ich?
Der geforderte Performance Level (PL) nach ISO 13849-1 ergibt sich aus der Risikobeurteilung der Maschine – nicht aus dem Gerätekatalog. Das Datenblatt des Sicherheitsrelais weist aus, bis zu welchem PL es in der passenden Architektur eingesetzt werden kann.
Sicherheitsrelais oder Sicherheits-Kleinsteuerung?
Für eine oder wenige Sicherheitsfunktionen ist das einzelne Sicherheitsrelais die einfachste Lösung. Ab mehreren Funktionen wird eine konfigurierbare Kleinsteuerung (z. B. PNOZmulti) meist wirtschaftlicher und übersichtlicher – inklusive Diagnose.
Grundlage: Pilz-Lexikon „Funktion Sicherheitsrelais“ (Normbezug EN 60947-5-1 / EN 60204-1 / VDE 0113-1, Redundanz und Selbstüberwachung, zwangsgeführte Kontakte, 3-Schütz-Prinzip, Rückführkreis Y1/Y2, Schütz-Lebensdauer); Produktdaten der gelisteten Geräte (Pilz PNOZ, Siemens 3SK1, Phoenix REL-SR/PSR). Stand August 2026. Die Auslegung der Sicherheitsfunktion (Risikobeurteilung, Performance Level nach ISO 13849-1) obliegt dem Maschinenbauer; maßgeblich sind Datenblatt und Anschlussbild des eingesetzten Geräts.