Not-Aus-Schalter auswählen: Bauformen, Schutzkragen, Gehäuse
Die kurze Antwort: Standard-Pilztaster ohne Extras – alles andere ist begründungspflichtig. Schutzkragen und Schlüsselentriegelung sollen nach der Norm vermieden werden; unbeabsichtigtes Auslösen verhindert man vorrangig durch die Platzierung. Und zur Begriffsklarheit: Was im Alltag „Not-Aus-Schalter“ heißt, ist fachlich meist ein Not-Halt – den Unterschied erklärt unser Not-Halt-oder-Not-Aus-Ratgeber.
Die Anatomie: Frontelement, Kontaktblock, gelber Grund
Ein Not-Halt-Taster im 22-mm-Standard besteht aus dem roten Frontelement (Pilzkopf, typisch 40 oder 60 mm – der größere ist schneller und auch mit Handschuhen sicher zu treffen), dem zwangsöffnenden Kontaktblock dahinter und dem gelben Hintergrund (Unterlegscheibe oder -schild), den die Norm zwingend verlangt. Für dezentrale Befehlsstellen ohne Einbaufläche gibt es das Ganze als Komplettgerät im gelben Aufbaugehäuse. Nach dem Drücken verrastet der Taster zwangsläufig; entriegelt wird bewusst durch Drehen oder Ziehen – ohne dass die Maschine dabei wieder anläuft.
Bauformen und ihre Normbewertung
| Bauform | Normbewertung / Einsatz |
|---|---|
| Pilztaster Standard (40/60 mm) | Uneingeschränkt einsetzbar – der Regelfall. Mit der Handfläche betätigbar, verrastend. |
| Beleuchtet (z. B. 3SU1152, 40 mm rot beleuchtet) | Seit EN ISO 13850:2015 zulässig: rot leuchtend = aktiv, grau = inaktiv. Löst bei modularen und verketteten Anlagen das frühere Abdecken inaktiver Taster ab. |
| Mit Schutzkragen (z. B. EATON M22-XGPV30) | ⚠ Norm: sollte vermieden werden. Nur wenn versehentliches Auslösen erhebliche Nachteile bringt (großer Materialverlust, langes Wiederanfahren) – und der Kragen darf die Betätigung mit Fingern, Handballen, Handfläche, Handkante oder Faust nicht behindern; keine scharfen Kanten. |
| Schlüsselentriegelung / abschließbar (z. B. ABB CE4K1 mit Schlüssel) | ⚠ Norm: sollte vermieden werden – Verletzungsgefahr und Missbrauch als Reparaturschalter. Wo ohne triftigen Grund eingesetzt, ist die einfache Dreh- oder Zugentriegelung die richtige Wahl. |
| Komplettgerät im Gehäuse | Für dezentrale Befehlsstellen (Anlagenrand, Förderstrecke, Nachrüstung): fertig verdrahtbar, gelbes Gehäuse, höhere Schutzart möglich. |
| Seilzugschalter / Reißleine (z. B. 3SE7141, IP67) | Für große Distanzen empfohlen – längs einer Förderstrecke ist die Auslösung von jedem Punkt der Leine aus möglich. |
In fünf Schritten zur richtigen Befehlsstelle
- Funktion klären: Bewegung stoppen (Not-Halt, Regelfall) oder Versorgung trennen (Not-Aus, Ausnahmefall)? → Begriffs-Ratgeber.
- Einbau oder Gehäuse: Vorhandene Fronttafel → Frontelement + Kontaktblock; dezentrale Befehlsstelle → Komplettgerät; lange Strecke → Seilzugschalter.
- Extras nur mit Grund: Kragen und Schlüssel sind Ausnahme-Bauformen mit Norm-Vorbehalt – die Entscheidung gehört in die Risikobeurteilung, nicht in den Warenkorb.
- Kontakte und Auswertung: Zwangsöffnende Öffnerkontakte wählen; die sichere Auswertung übernimmt ein Sicherheitsschaltgerät – warum ein normales Relais nicht genügt, zeigt der Sicherheitsrelais-Ratgeber.
- Gelber Grund + Prüfung: Gelbe Unterlegscheibe/-schild einplanen und die mindestens jährliche Funktionsprüfung durch eine befähigte Person organisieren.
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Häufige Fragen
Ist ein Schutzkragen am Not-Aus erlaubt?
Die Norm empfiehlt, ihn zu vermeiden. Zulässig ist er nur, wenn versehentliches Auslösen erhebliche Nachteile hätte – und der Kragen darf die Betätigung mit Fingern, Handballen, Handfläche, Handkante oder Faust nicht behindern. Vorrangig ist unbeabsichtigtes Auslösen über die Platzierung zu verhindern. Die Entscheidung gehört in die Risikobeurteilung.
Darf ein Not-Aus-Schalter abschließbar sein?
Schlüsselentriegelung soll nach der Norm vermieden werden – wegen Verletzungsgefahr und weil der Taster sonst als Reparaturschalter missbraucht wird. Standard ist die Entriegelung durch Drehen oder Ziehen. Für das abschließbare Freischalten einer Anlage ist ein Sicherheits-/Reparaturschalter das richtige Gerät.
Sind beleuchtete Not-Halt-Taster zulässig?
Ja, seit EN ISO 13850:2015: Rot leuchtend zeigt einen aktiven, grau einen inaktiven Not-Halt an. Das ist die Lösung für modulare und verkettete Anlagen, bei denen früher inaktive Taster abgedeckt werden mussten.
Was ist der Unterschied zwischen Frontelement und Komplettgerät?
Das Frontelement wird in eine vorhandene Fronttafel (22-mm-Ausschnitt) eingebaut und mit Kontaktblöcken kombiniert. Das Komplettgerät bringt Taster, Kontakte und gelbes Aufbaugehäuse fertig mit – für dezentrale Befehlsstellen ohne Einbaufläche.
Was bedeutet zwangsöffnend?
Der Öffnerkontakt wird beim Betätigen mechanisch zwangsläufig getrennt – er kann nicht durch eine verschweißte Kontaktstelle geschlossen bleiben. Für Not-Halt-Kreise sind zwangsöffnende Kontakte Pflicht.
Wie oft muss ein Not-Halt geprüft werden?
Mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person, zusätzlich Sichtkontrolle auf offensichtliche Mängel vor der Verwendung.
Grundlage: BG RCI, „Not-Halt- und Not-Aus-Einrichtungen“ (Stand 01/2024; referiert DIN EN ISO 13850:2016, DIN EN 60204-1, MRL 2006/42/EG, BetrSichV) – Bauform-Bewertungen, Platzierungsgrundsatz, Prüfpflicht; Georg Schlegel GmbH (beleuchtete Not-Halt-Geräte nach EN ISO 13850:2015); Produktdaten der gelisteten Artikel. Stand August 2026. Maßgeblich sind Normtext und die Risikobeurteilung der Maschine.