Leitungsschutzschalter: B, C oder D – die richtige Charakteristik wählen
Der Buchstabe auf dem Leitungsschutzschalter legt fest, ab welchem Vielfachen des Nennstroms er bei Kurzschluss sofort abschaltet: B ab 3–5 ×, C ab 5–10 ×, D ab 10–20 × In. Die Zahl dahinter ist der Nennstrom und richtet sich nach der Leitung. Hier steht, welche Charakteristik zu welchem Verbraucher passt und wann FI/LS, SLS oder Leistungsschalter das richtige Gerät sind.
Was ein Leitungsschutzschalter schützt
Der Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, Sicherungsautomat, englisch MCB) schützt die Leitung vor zu hohem Strom – nicht das angeschlossene Gerät. Er hat zwei Auslöser: einen thermischen (Bimetall) für Überlast, der je nach Höhe des Stroms nach Sekunden bis Minuten abschaltet, und einen magnetischen (Spule mit Schlaganker), der bei Kurzschluss sofort trennt. Für Hausinstallation und vergleichbare Anlagen gilt DIN EN 60898-1 (VDE 0641-11). Nach dem Auslösen lässt sich der Schalter wieder einschalten; nach Überlast erst, wenn das Bimetall abgekühlt ist.
B, C, D, K oder Z: was der Buchstabe festlegt
Der Kennbuchstabe beschreibt den Bereich, in dem der magnetische Auslöser anspricht, als Vielfaches des Nennstroms In. Unterhalb der ersten Zahl darf der Schalter nicht sofort auslösen, ab der zweiten muss er es.
| Charakteristik | Kurzschlussauslösung | Überlast-Prüfströme | Norm | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| B | 3–5 × In | 1,13 / 1,45 × In | DIN EN 60898-1 | Steckdosen- und Lichtstromkreise, lange Leitungen |
| C | 5–10 × In | 1,13 / 1,45 × In | DIN EN 60898-1 | Verbraucher mit Einschaltstrom: Leuchtengruppen, kleine Motoren, Netzteile |
| D | 10–20 × In | 1,13 / 1,45 × In | DIN EN 60898-1 | hohe Einschaltströme: Transformatoren, Motoren, Kondensatoren |
| K | 10–14 × In | 1,05 / 1,2 × In | in Anlehnung an DIN EN 60947-2 | Motoren und Trafos mit Anlaufspitzen, bei engem Überlastschutz |
| Z | 2–3 × In | 1,05 / 1,2 × In | in Anlehnung an DIN EN 60947-2 | Halbleiter, Messkreise, Steuerstromkreise mit kleinem Kurzschlussstrom |
Bereiche für Wechselstrom nach ABB-Technikinformation „Auslöse-Charakteristiken im Vergleich“. Bezugstemperatur der Prüfströme 30 °C (B, C, D) bzw. 20 °C (K, Z). Bei Gleichstrom verschieben sich die Kurzschlussbereiche, maßgeblich ist das Datenblatt.
Die Zahl: Nennstrom passend zur Leitung
Die Zahl hinter dem Buchstaben ist der Bemessungsstrom In in Ampere. Er richtet sich nach Querschnitt, Verlegeart und Häufung der zu schützenden Leitung: Der Nennstrom darf nicht über der Strombelastbarkeit der Leitung liegen. Klassisch ist B16 an 1,5 mm² im Steckdosenkreis. Für andere Querschnitte stehen die Werte in DIN VDE 0298-4; eine Übersicht hat unsere Kabelquerschnitt-Tabelle.
Beim Überlastschutz nach DIN EN 60898-1 gilt für alle Charakteristiken B, C und D: Beim 1,13-fachen Nennstrom löst der Schalter innerhalb der Prüfzeit nicht aus, beim 1,45-fachen muss er auslösen. Die Prüfzeit beträgt eine Stunde bis 63 A und zwei Stunden darüber. In Steuerstromkreisen sind auch Nennströme unter 1 A üblich; im Sortiment beginnen sie bei 0,5 A.
Polzahl, Breite und Neutralleiter
LS-Schalter sitzen auf der Hutschiene. Ein einpoliges Gerät ist meist eine Teilungseinheit (1 TE = 18 mm) breit. Einpolig wird ein Außenleiter geschaltet, 1+N zusätzlich der Neutralleiter, dreipolig ein Drehstromkreis ohne N und 3+N bzw. vierpolig ein Drehstromkreis mit N. Wird der Neutralleiter mitgeschaltet, öffnet er nach den Außenleitern und schließt vor ihnen.
Schaltvermögen und Energiebegrenzungsklasse
Die Zahl im Rechteck auf dem Gerät (zum Beispiel 6000 oder 10000) ist das Bemessungs-Kurzschlussschaltvermögen Icn in Ampere. Es muss mindestens so groß sein wie der Kurzschlussstrom, der am Einbauort auftreten kann. Im Wohnbau sind 6 kA üblich, nahe am Transformator und in Industrieanlagen wird mehr verlangt. Im Sortiment sind 6, 10 und 25 kA am häufigsten, die Spitze liegt bei 50 kA; Geräte mit sehr hohem Schaltvermögen sind nach DIN EN 60947-2 geprüft und nennen Icu. Für Leitungsschutzschalter bis 32 A verlangen die Technischen Anschlussbedingungen in Deutschland die Energiebegrenzungsklasse 3, die auf dem Gerät mit einer 3 im Kästchen steht.
LS-Schalter, FI/LS, SLS oder Leistungsschalter?
| Gerät | Schützt gegen | Norm, Einbauort | Bei uns |
|---|---|---|---|
| Leitungsschutzschalter (MCB) | Überlast und Kurzschluss der Leitung | DIN EN 60898-1, Endstromkreis im Verteiler | Leitungsschutzschalter |
| FI/LS-Schalter (RCBO) | zusätzlich Fehlerstrom (Personen- und Brandschutz) | DIN EN 61009-1, ein Gerät je Stromkreis | FI/LS-Schalter |
| Selektiver Hauptleitungsschutzschalter (SLS) | Überlast und Kurzschluss vor dem Zähler, selektiv zu den LS dahinter | DIN VDE 0641-21, Vorzählerbereich | SLS-Schalter |
| Leistungsschalter (MCCB) | größere Abgänge, oft mit einstellbaren Auslösern | DIN EN 60947-2, Einspeisung und Hauptverteilung | Leistungsschalter |
Für einen einzelnen Motorabgang mit einstellbarem Überlastschutz ist der Motorschutzschalter das passende Gerät, siehe Motorschutzschalter richtig einstellen. Die Unterschiede zwischen Leistungsschalter und Lasttrennschalter erklärt der Ratgeber Leistungsschalter.
In fünf Schritten zum passenden Automaten
- Nennstrom aus der Leitung: Strombelastbarkeit für Querschnitt und Verlegeart ermitteln, In darf nicht darüber liegen.
- Charakteristik aus dem Verbraucher: Steckdosen und Licht B, Einschaltströme C, Trafos und Motoren D oder K, empfindliche Elektronik Z.
- Polzahl: 1, 1+N, 3 oder 3+N nach Netzform und danach, ob der Neutralleiter geschaltet werden muss.
- Schaltvermögen: Icn mindestens so hoch wie der Kurzschlussstrom am Einbauort.
- Sonderfälle: Fehlerstromschutz gefordert → FI/LS; vor dem Zähler → SLS; Gleichstrom → Gerät mit DC-Angabe im Datenblatt.
Beispiele aus dem Sortiment
- Siemens 5SL6116-6 – B16, 1-polig, 6 kA: Steckdosen- und Lichtstromkreis
- Siemens 5SL6116-7 – C16, 1-polig, 6 kA: derselbe Nennstrom mit höherer Einschaltreserve
- Siemens 5SY4316-8 – D16, 3-polig, 10 kA: Drehstromabgang für Trafo oder Motor
- ABB S203-K16NA – K16, 3+N: Motorabgang mit engem Überlastschutz
- ABB S201-Z8 – Z8, 1-polig, 6 kA: Steuer- und Elektronikkreise
Leitungsschutzschalter FI/LS-Schalter SLS-Schalter
Häufige Fragen
Was bedeutet B, C oder D beim Leitungsschutzschalter?
Der Buchstabe gibt an, ab welchem Vielfachen des Nennstroms der Schalter bei Kurzschluss sofort abschaltet: B bei 3–5-fachem, C bei 5–10-fachem und D bei 10–20-fachem Nennstrom. Der Überlastschutz ist bei allen drei gleich.
B16 oder C16 – was ist der Unterschied?
Beide haben 16 A Nennstrom und denselben Überlastschutz. B16 schaltet bei Kurzschluss spätestens ab 80 A (5-fach) sofort ab, C16 erst ab 160 A (10-fach). C16 löst deshalb bei hohen Einschaltströmen seltener aus, braucht für die schnelle Abschaltung aber einen größeren Kurzschlussstrom.
Welche Charakteristik für Motoren und Transformatoren?
Meist D oder K, weil diese Verbraucher beim Einschalten ein Vielfaches ihres Nennstroms ziehen. K hat zusätzlich ein engeres Überlastband. Für den Motorabgang mit einstellbarem Überlastschutz gibt es den Motorschutzschalter.
Darf ich einen B-Automaten durch einen C-Automaten ersetzen?
Nur, wenn der Kurzschlussstrom am Ende der Leitung für die sofortige Abschaltung im C-Bereich reicht, also die Schleifenimpedanz passt. Das muss gemessen oder berechnet werden; ein Tausch nach Gefühl genügt nicht.
Was bedeutet die Zahl im Rechteck auf dem Automaten?
Das ist das Bemessungs-Kurzschlussschaltvermögen in Ampere, zum Beispiel 6000 oder 10000. Es muss mindestens so hoch sein wie der Kurzschlussstrom am Einbauort.
Wofür braucht man einen SLS-Schalter?
Ein selektiver Hauptleitungsschutzschalter sitzt vor dem Zähler. Bei einem Fehler im Stromkreis löst zuerst der Leitungsschutzschalter dahinter aus, der SLS bleibt eingeschaltet. Grundlage ist DIN VDE 0641-21.
Quellen: DIN EN 60898-1 (VDE 0641-11), DIN EN 60947-2, DIN EN 61009-1, DIN VDE 0641-21, DIN VDE 0298-4; ABB-Technikinformation „Auslöse-Charakteristiken für Sicherungsautomaten im Vergleich“ (2CDC400002D0104). Sortimentszahlen: 7.053 aktive Leitungsschutzschalter, Stand 26.10.2026. Verbindlich sind Leitungsdaten, Netzverhältnisse am Einbauort und das Datenblatt des Geräts.