IP-Schutzarten: Tabelle und Bedeutung von IP20 bis IP69K
Der IP-Code besteht aus zwei Kennziffern: Die erste steht für den Schutz gegen Berührung und feste Fremdkörper, die zweite für den Schutz gegen Wasser (DIN EN 60529, für Fahrzeuge ergänzt durch ISO 20653). Die wichtigste Falle vorweg: IP67 ist nicht automatisch „besser“ als IP66 – die Untertauch-Grade 7/8/9 schließen den Strahlwasserschutz nicht mit ein. Und: Wer „IP-Schutzklassen“ sagt, meint fast immer die Schutzart – Schutzklassen sind etwas anderes.
Erste Kennziffer: Berührung und Fremdkörper
| Ziffer | Schutz gegen Zugang zu gefährlichen Teilen | Schutz gegen feste Fremdkörper |
|---|---|---|
| 0 | nicht geschützt | nicht geschützt |
| 1 | Handrücken | Ø ≥ 50 mm |
| 2 | Finger (Ø 12 mm, Länge 80 mm) | Ø ≥ 12,5 mm |
| 3 | Werkzeug (Ø ≥ 2,5 mm) | Ø ≥ 2,5 mm |
| 4 | Draht (Ø ≥ 1,0 mm) | Ø ≥ 1 mm |
| 5 (ISO: 5K) | Draht | staubgeschützt – kein Staubeintritt in schädlicher Menge |
| 6 (ISO: 6K) | Draht | staubdicht |
Wird eine Kennziffer nicht angegeben, steht dort ein X – IPX4 bedeutet: Spritzwasserschutz gefordert, Fremdkörperschutz nicht spezifiziert.
Zweite Kennziffer: Wasser
| Ziffer | Schutz gegen Eindringen von Wasser mit schädlicher Wirkung |
|---|---|
| 0 | kein Schutz |
| 1 | senkrecht auffallendes Tropfwasser |
| 2 | Tropfwasser bis 15° Schräglage |
| 3 | Sprühwasser bis 60° |
| 4 | allseitiges Spritzwasser (ISO 20653: 4K mit erhöhtem Druck) |
| 5 | Wasserstrahl aus beliebigem Winkel |
| 6 | starker Wasserstrahl (ISO 20653: 6K mit erhöhtem Druck) |
| 7 | zeitweiliges Eintauchen (bis 30 Minuten, 1 m Tiefe) |
| 8 | andauerndes Eintauchen (≥ 30 Minuten, ≥ 1 m – nach Vereinbarung mit dem Hersteller) |
| 9 (ISO: 9K) | Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung |
IP69K: Hochdruckreinigung – und der Unterschied zu IPX9
IP69K ist eine verkürzte Schreibweise für die Kombination aus erster Kennziffer 6K (staubdicht) und zweiter Kennziffer 9K nach ISO 20653 – entwickelt für Komponenten, die Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung aushalten müssen, typisch in Lebensmittelanlagen und am Fahrzeug. Daneben kennt die DIN EN 60529 die Stufe IPX9: Beide prüfen mit heißem Wasser unter hohem Druck, unterscheiden sich aber im Verfahren – bei IPX9 wird die Kraft des Wasserstrahls bestimmt (Düsenabstand 200 mm), bei IPX9K der Druck (Abstand max. 150 mm). Für die Praxis: Wer Hochdruckreinigung im Prozessumfeld hat, wählt Komponenten mit ausgewiesenem IP69K – etwa M12-Sensor-Aktor-Kabel in IP69K-Ausführung oder Steckergehäuse mit IP69K.
Schutzart ist nicht Schutzklasse
Im Sprachgebrauch werden „IP-Schutzklassen“ und Schutzarten ständig vermischt – gemeint ist fast immer die Schutzart (der IP-Code). Die Schutzklasse ist ein eigener Begriff der Elektrotechnik (EN 61140 / VDE 0140-1) und beschreibt die Maßnahmen gegen elektrischen Schlag: Klasse I Schutzleiter, Klasse II Schutzisolierung, Klasse III Schutzkleinspannung. Kurz: Schutzart = Dichtigkeit gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser; Schutzklasse = Schutz vor gefährlicher Berührungsspannung. Ein Gerät hat beides – und beides steht unabhängig voneinander im Datenblatt.
Welche Schutzart wofür? Praxis im Schaltschrank- und Maschinenbau
| Schutzart | Typischer Einsatz (bewährte Praxis) |
|---|---|
| IP20 | Geräte im Schaltschrank – Berührungsschutz; die Dichtigkeit liefert der Schrank |
| IP54 / IP55 | Industrieumgebung mit Staub und Spritzwasser, z. B. Leergehäuse und Klemmenkästen in der Halle |
| IP65 / IP66 | Strahlwasser und Außenbereich: Aufbaugehäuse, Befehlsgeräte wie Fußtaster im IP65-Metallgehäuse, Industriesteckverbinder-Gehäuse |
| IP67 | zeitweiliges Untertauchen/Flutung: M12-Verbindungstechnik im Feld, konfektionierte Sensor-/Aktor-Kabel |
| IP69K | Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung: Lebensmittel- und Prozessanlagen, Fahrzeugtechnik |
Zwei Dinge gehören zur ehrlichen Auslegung dazu: Die Schutzart gilt für das Gehäuse im fachgerecht montierten Zustand – eine falsch gewählte Kabelverschraubung oder eine nicht angezogene Dichtung reduziert die erreichte Schutzart des Gesamtaufbaus. Und bei IP68 gilt „nach Vereinbarung“: Ohne Herstellerangabe zu Tauchtiefe und -dauer ist IP68 allein keine vergleichbare Aussage – das Datenblatt nennt die Bedingungen.
Steckverbinder-Gehäuse ansehen Sensor-/Aktor-Kabel (M12 & Co.)
Häufige Fragen
Was bedeutet IP65?
Erste Kennziffer 6: staubdicht und vollständiger Berührungsschutz. Zweite Kennziffer 5: geschützt gegen Wasserstrahl aus beliebigem Winkel. IP65-Komponenten sind damit für Strahlwasser geeignet – nicht aber fürs Untertauchen (dafür IPX7/IPX8).
Ist IP67 besser als IP66?
Nicht pauschal. IP67 steht für zeitweiliges Untertauchen, IP66 für starken Wasserstrahl – die Untertauch-Grade 7/8/9 schließen den Strahlwasserschutz nicht mit ein. Wo beides gefordert ist, braucht es die Doppelangabe (z. B. IP66/IP67).
Was bedeutet IP69K?
Die verkürzte Schreibweise für 6K + 9K nach ISO 20653: staubdicht und geschützt gegen Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung. Eingesetzt wird IP69K vor allem in der Lebensmittelindustrie und Fahrzeugtechnik, wo mit heißem Wasser unter hohem Druck gereinigt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Schutzart und Schutzklasse?
Die Schutzart (IP-Code, DIN EN 60529) beschreibt die Dichtigkeit gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser. Die Schutzklasse (EN 61140 / VDE 0140-1, Klassen I–III) beschreibt die Maßnahmen gegen elektrischen Schlag: Schutzleiter, Schutzisolierung oder Schutzkleinspannung.
Was heißt das X in IPX4 oder IP2X?
Das X ersetzt eine nicht spezifizierte Kennziffer. IPX4 fordert nur den Spritzwasserschutz, IP2X nur den Fingerschutz – zur jeweils anderen Eigenschaft macht die Angabe keine Aussage.
Reicht IP68 immer fürs Untertauchen?
IP68 bedeutet andauerndes Eintauchen – aber Tiefe und Dauer sind „nach Vereinbarung“ festgelegt. Ohne die Herstellerangabe (z. B. „2 m / 24 h“) lässt sich IP68 nicht vergleichen; maßgeblich ist das Datenblatt.
Grundlage: DIN EN 60529 und ISO 20653 (Kennziffern-Systematik, Schutzgrade, IP69K = 6K+9K; zitiert nach dem Normen-Auszug der Otto Ganter GmbH); Treo Labor für Umweltsimulation (Prüfverfahren IPX9 vs. IPX9K, X-Schreibweise, Abgrenzung Schutzklassen nach EN 61140 / VDE 0140-1). Stand August 2026. Maßgeblich sind Datenblatt und Herstellerangaben des jeweiligen Produkts.