IO-Link: Master und Device, Port Class A und B, Leitung und Stecker
IO-Link bringt Messwerte, Diagnose und Parameter über die normale Sensorleitung in die Steuerung. Hier stehen Master und Device, der Unterschied zwischen Port Class A und B mit Pinbelegung, welche Leitung und welcher Stecker passen und wie IO-Link-Sensoren auch ohne Master laufen.
Was IO-Link ist – und was nicht
IO-Link ist eine digitale Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen einem Sensor oder Aktor und einem IO-Link-Master. Genormt ist sie als IEC 61131-9. IO-Link ist kein Feldbus: Jedes Gerät hängt an einem eigenen Port des Masters. Erst der Master spricht mit der Steuerung, über PROFINET, EtherCAT, EtherNet/IP oder als Modul direkt in der SPS.
Der Vorteil gegenüber dem klassischen Schaltsignal: Über dieselbe 3-Draht-Leitung kommen neben dem Schaltzustand auch Messwerte, Diagnose und Parameter. Ein Sensor lässt sich aus der Steuerung umparametrieren, und beim Tausch überträgt der Master die gespeicherten Parameter automatisch auf das neue Gerät.
Master, Device und Steuerung
| Baustein | Aufgabe | Bauform |
|---|---|---|
| IO-Link-Device | Sensor, Ventil, Anzeige oder Hub mit IO-Link-Schnittstelle | wie ein normaler Sensor, meist M12- oder M8-Stecker |
| IO-Link-Master | verwaltet 4 oder 8 Ports, sammelt die Daten und gibt sie an die Steuerung weiter | IP67-Feldmodul an der Maschine oder Modul im Schaltschrank |
| Gerätebeschreibung (IODD) | Datei des Herstellers, die Prozessdaten und Parameter eines Device beschreibt | wird in das Engineering-Tool der Steuerung geladen |
Im Sortiment sind 36 IO-Link-Master von WAGO, Pepperl+Fuchs, Phoenix Contact und Siemens:
- IP67 an der Maschine: etwa der WAGO 765-4101 mit 8 Ports Class A für PROFINET oder der Phoenix Contact IOL MA8 PN DI8. Die WAGO-Reihe 765 gibt es für PROFINET, EtherCAT und EtherNet/IP, siehe WAGO I/O System Field Serie 765.
- Im Schaltschrank als SPS-Modul: Siemens SM 1278 mit 4 Ports für die S7-1200, Siemens CM 4xIO-Link für das ET 200SP oder WAGO 750-1657 für das I/O-System 750. Weitere stehen unter Kommunikationsmodule für dezentrale Peripherie.
Port Class A und Class B
Am M12-Port des Masters sind Pin 1, 3 und 4 immer gleich: L+ (24 V), L− (0 V) und C/Q, die Kommunikationsleitung. Unterschiede gibt es an Pin 2 und 5:
| Pin | Ader | Port Class A | Port Class B |
|---|---|---|---|
| 1 | braun | L+ (24 V) | L+ (24 V) |
| 2 | weiß | herstellerabhängig, meist zusätzlicher Ein- oder Ausgang | zusätzliche Versorgung +24 V (UA) |
| 3 | blau | L− (0 V) | L− (0 V) |
| 4 | schwarz | C/Q: IO-Link oder Schaltsignal | C/Q: IO-Link oder Schaltsignal |
| 5 | grau | nicht belegt | zusätzliche Versorgung 0 V (UA) |
Class A reicht für Sensoren. Class B braucht man für Geräte mit höherem Strombedarf wie Ventilinseln oder Aktoren. Die zweite Versorgung ist galvanisch getrennt und lässt sich separat abschalten, etwa um Aktoren stromlos zu machen, während die Sensoren weiterlaufen. Im Sortiment gibt es die WAGO-Master 765 jeweils in beiden Ausführungen, zum Beispiel den 765-4102 mit 8 Ports Class B.
Leitung und Stecker
- Ungeschirmte Standardleitung reicht. IO-Link braucht keine besondere Datenleitung, eine normale Sensor-Aktor-Leitung genügt.
- Maximal 20 m zwischen Master und Device.
- Stecker: M12 A-kodiert, 4-polig für Class A, 5-polig für Class B. Kleine Sensoren haben M8, 3-polig. Passende Leitungen stehen unter M12-Kabel und M12-Stecker 5-polig, etwa die Phoenix Contact SAC-5P-10,0-186/M12FS mit grauer fünfter Ader.
- Kodierung: A-kodiert wie bei Sensoren, nicht D- oder X-kodiert wie bei Ethernet. Die Belegung der Kodierungen steht im Ratgeber M12-Stecker-Belegung.
Abwärtskompatibel: der SIO-Modus
Ein IO-Link-Sensor arbeitet auch an einem normalen digitalen Eingang, dann als einfacher Schaltsensor (Standard-I/O, SIO). Umgekehrt kann ein Master-Port auf einen normalen PNP-Sensor eingestellt werden. So lässt sich eine Anlage schrittweise umstellen. Wie ein klassischer Schaltsensor angeschlossen wird, erklärt der Ratgeber Näherungsschalter.
Datenrate und Zykluszeit
IO-Link kennt drei Übertragungsraten: COM1 mit 4,8 kBaud, COM2 mit 38,4 kBaud und COM3 mit 230,4 kBaud. Das Device gibt die Rate vor, der Master stellt sich darauf ein. Für Schaltzustände und Messwerte genügt das. Für sehr schnelle Signale bleibt der direkte digitale Eingang die bessere Wahl.
Beispiele aus dem Sortiment
- WAGO 765-4101 – IO-Link-Master, 8 Ports Class A, PROFINET, IP67
- WAGO 765-4102 – IO-Link-Master, 8 Ports Class B, PROFINET
- Phoenix Contact IOL MA8 PN DI8 – IO-Link-Master, 8 Ports, PROFINET
- Phoenix Contact AXL SE IOL4 – Axioline Smart Element, 4 Ports
- Siemens SM 1278 – IO-Link-Master, 4 Ports, für S7-1200
- Siemens ET 200SP CM 4xIO-Link – 4 Ports für das ET 200SP
- WAGO 750-1657 – IO-Link-Master, 4 Ports, 230,4 kBaud, für das I/O-System 750
- Phoenix Contact SAC-5P-M12MS, 1,5 m – M12-Leitung 5-polig, PUR
WAGO IO-Link-Master M12-Kabel M12-Stecker 5-polig
Häufige Fragen
Ist IO-Link ein Feldbus?
Nein. IO-Link verbindet genau ein Gerät mit einem Port des Masters. Der Master hängt am Feldbus oder sitzt als Modul in der Steuerung.
Brauche ich für IO-Link eine geschirmte Leitung?
Nein. Eine ungeschirmte 3- bis 5-adrige Sensorleitung bis 20 m Länge reicht.
Wann brauche ich Port Class B?
Für Geräte mit höherem Strombedarf wie Ventilinseln. Class B liefert über Pin 2 und 5 eine zweite, getrennte Versorgung, die sich separat abschalten lässt.
Funktioniert ein IO-Link-Sensor auch ohne Master?
Ja, im SIO-Modus an einem normalen digitalen Eingang als einfacher Schaltsensor. Messwerte und Parameter gibt es dann aber nicht.
Was ist eine IODD?
Die Gerätebeschreibung des Herstellers. Sie legt fest, welche Daten und Parameter ein IO-Link-Device hat, und wird im Engineering-Tool der Steuerung eingelesen.
Quellen: IEC 61131-9 (IO-Link, Single-drop Digital Communication Interface); IO-Link Planungsrichtlinie der IO-Link Community; IEC 61076-2-101 (M12 A-kodiert); Datenblätter der IO-Link-Master mit Port Class A und B; Herstellerangaben zu 36 IO-Link-Mastern in unserem Sortiment, Stand 30.10.2026.