FI-Schutzschalter Typ AC, A, F, B und B+: Unterschiede und Auswahl
FI-Schutzschalter Typ AC, A, F, B und B+: Welcher Typ welche Fehlerströme erkennt, wo Typ B gefordert ist, was für Wallbox und Frequenzumrichter gilt, warum ein Typ A nicht vor einen Typ B gehört und wann ein FI/LS-Schalter die bessere Wahl ist.
Was ein FI-Schutzschalter macht
Der Fehlerstrom-Schutzschalter, kurz FI-Schalter oder RCD, vergleicht den Strom, der in einen Stromkreis hineinfließt, mit dem, der zurückkommt. Fließt ein Teil über einen Menschen oder einen Isolationsfehler zur Erde ab, entsteht eine Differenz. Erreicht sie den Bemessungsfehlerstrom IΔn, schaltet der FI ab, bei 30 mA in höchstens 300 ms und beim fünffachen Fehlerstrom in höchstens 40 ms. Den Überlastschutz übernimmt er nicht, dafür braucht es zusätzlich einen Leitungsschutzschalter.
Wie gut ein FI arbeitet, hängt davon ab, welche Form von Fehlerstrom er erkennt. Moderne Verbraucher mit Elektronik, Umrichtern und Ladegeräten erzeugen Fehlerströme, die ein einfacher FI nicht sieht oder die ihn sogar blind machen. Genau das unterscheidet die Typen AC, A, F, B und B+.
Die Typen im Vergleich
| Typ | erfasst | typische Verbraucher | Norm |
|---|---|---|---|
| AC | nur sinusförmige Wechselfehlerströme | rein ohmsche Lasten ohne Elektronik – in Deutschland nach DIN VDE 0100-530 nicht zugelassen | EN 61008-1 |
| A | wie AC, dazu pulsierende Gleichfehlerströme; glatter Gleichstrom bis 6 mA stört nicht | Standard in Wohnung und Büro, Geräte mit einphasigem Gleichrichter | EN 61008-1 |
| F | wie A, dazu Mischfrequenzen bis 1 kHz; kurzzeitverzögert und stoßstromfest | einphasige Frequenzumrichter, Waschmaschinen, Wärmepumpen, Klimageräte | EN 62423 |
| B | allstromsensitiv: alle Fehlerströme einschließlich glattem Gleichstrom, Frequenzen bis 1 kHz | dreiphasige Frequenzumrichter, Ladestationen ohne DC-Erkennung, PV-Wechselrichter ohne Trennung, USV, Medizintechnik | EN 62423 |
| B+ | wie B, zusätzlich Frequenzen bis 20 kHz, Auslösung höchstens 420 mA im ganzen Bereich | vorbeugender Brandschutz bei Umrichtern mit hoher Taktfrequenz | DIN VDE 0664-400 |
Die Typen bauen aufeinander auf: B erkennt alles, was A und F erkennen, A alles, was AC erkennt. Im Sortiment stehen 698 FI-Schutzschalter, davon 119 allstromsensitive FI-Schalter von Doepke und Hager, sowie 976 FI/LS-Schalter.
Warum ein Typ A nicht vor einen Typ B gehört
Glatte Gleichfehlerströme aus einem dreiphasigen Umrichter oder einer Ladestation magnetisieren den Summenstromwandler eines Typ-A-FI vor. Er löst dann auch bei einem echten Wechselfehlerstrom nicht mehr zuverlässig aus. Deshalb gilt: Verbraucher, die glatte Gleichfehlerströme erzeugen können, kommen hinter einen eigenen Typ-B-FI, und einem Typ-B-FI darf kein Typ-A-FI vorgeschaltet sein. In der Verteilung bedeutet das meist, die Stromkreise mit Umrichtern oder Ladepunkten getrennt vom übrigen Typ-A-Bereich aufzubauen.
Wo welcher Typ gefordert ist
- Steckdosenstromkreise bis 32 A für die Benutzung durch Laien und Endstromkreise im Freien bis 32 A: FI mit höchstens 30 mA nach DIN VDE 0100-410, mindestens Typ A.
- Feuergefährdete Betriebsstätten: FI mit höchstens 300 mA nach DIN VDE 0100-482 als Brandschutz.
- Ladepunkte für Elektrofahrzeuge: nach DIN VDE 0100-722 je Ladepunkt ein eigener FI mindestens Typ A und zusätzlich Schutz gegen glatte Gleichfehlerströme ab 6 mA, entweder durch einen Typ-B-FI oder durch eine DC-Fehlerstromerkennung (RDC-DD), die viele Wallboxen eingebaut haben. Siemens bietet dafür Typ-A-FI mit integrierter 6-mA-DC-Erkennung wie den Siemens 5SV3344-6KK60.
- Maschinen mit Frequenzumrichter: Typ B bei dreiphasigem, Typ F bei einphasigem Umrichter, laut Angabe des Umrichterherstellers. Mehr dazu im Ratgeber Frequenzumrichter.
Welche Anforderung im Einzelfall gilt, legen die Normen und die Errichterbestimmungen fest. Diese Übersicht ersetzt nicht die Planung durch eine Elektrofachkraft.
Bemessungsfehlerstrom, Verzögerung, Polzahl
- 10 oder 30 mA für den Personenschutz, 100, 300 oder 500 mA für Anlagen- und Brandschutz.
- Kurzzeitverzögert (K, SK): löst einige Millisekunden später aus und verhindert Fehlauslösungen durch Einschaltströme und Überspannungen, etwa bei vielen Geräten mit Netzfilter.
- Selektiv (S): deutlich verzögert, wird vorgeschaltet, damit bei einem Fehler nur der nachgeschaltete FI abschaltet. Ein selektiver FI bietet keinen Personenschutz im Sinn von 30 mA.
- 2-polig für Wechselstromkreise, 4-polig für Drehstrom. Der Bemessungsstrom (25, 40, 63 A …) muss zur Vorsicherung passen.
FI-Schalter oder FI/LS-Schalter
Ein FI/LS-Schalter (RCBO, DIN EN 61009) vereint FI und Leitungsschutzschalter in einem Gerät. Jeder Stromkreis bekommt so seinen eigenen Fehlerstromschutz, und ein Fehler schaltet nur diesen einen Stromkreis ab, nicht die ganze Gruppe hinter einem gemeinsamen FI. Das kostet mehr, erhöht aber die Verfügbarkeit, etwa für Kühlgeräte, Server oder Alarmanlagen. Beispiele sind der Siemens 5SU1354-7KK16 (Typ A, B16, 30 mA) und der Siemens 5SU1354-3KK16 (Typ F, B16, 30 mA).
Prüfen
Die Prüftaste testet die Mechanik und sollte regelmäßig gedrückt werden, die Hersteller empfehlen meist halbjährlich. Die Auslösung bei echtem Fehlerstrom und die Abschaltzeit werden bei der Erst- und Wiederholungsprüfung mit einem Installationstester gemessen. Allstromsensitive FI werden dabei auch mit Gleichfehlerstrom geprüft.
Beispiele aus dem Sortiment
- Siemens 5SV3344-6 – Typ A, 40 A, 30 mA, 4-polig
- Siemens 5SV3344-3 – Typ F, 40 A, 30 mA, 4-polig
- Hager CDF640D – Typ F, 40 A, 30 mA, 4-polig
- Siemens 5SV3344-4 – Typ B, 40 A, 30 mA, 4-polig, kurzzeitverzögert
- ABB F204B-40/0,03 – Typ B, 40 A, 30 mA, 4-polig
- Doepke DFS4 040-4/0,03-B SK – Typ B, 40 A, 30 mA, kurzzeitverzögert
- Siemens 5SV3344-4KK14 – Typ B+, 40 A, 30 mA, 4-polig
- Doepke DFS4 040-4/0,03-B+ – Typ B+, 40 A, 30 mA
- Siemens 5SV3344-6KK60 – Typ A mit 6-mA-DC-Erkennung, 40 A, 4-polig
Für die dauernde Überwachung ohne Abschaltung, etwa in Rechenzentren, gibt es Differenzstrom-Überwachungsgeräte (RCM).
FI-Schutzschalter Typ B allstromsensitiv FI/LS-Schalter
Häufige Fragen
FI Typ A oder Typ B – welcher wofür?
Typ A erkennt Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme und ist der Standard für Wohnung und Büro. Typ B erkennt zusätzlich glatte Gleichfehlerströme und wird für dreiphasige Umrichter, Ladestationen ohne DC-Erkennung und ähnliche Verbraucher gebraucht.
Was bedeutet Typ B beim FI-Schalter?
Typ B heißt allstromsensitiv: Der FI erkennt alle Arten von Fehlerströmen, auch glatten Gleichstrom, wie er bei dreiphasigen Gleichrichtern entsteht.
Ist ein FI Typ B für die Wallbox Pflicht?
Nicht zwingend. Gefordert ist ein FI mindestens Typ A plus Schutz gegen Gleichfehlerströme ab 6 mA. Das leistet entweder ein Typ-B-FI oder eine DC-Fehlerstromerkennung in der Wallbox. Die Herstellerangabe der Wallbox ist maßgeblich.
Wann muss ein FI Typ B auslösen?
Bei Wechselfehlerstrom zwischen dem 0,5- und 1-fachen des Bemessungsfehlerstroms, bei glattem Gleichfehlerstrom zwischen dem 0,5- und 2-fachen, bei einem 30-mA-Gerät also spätestens bei 60 mA Gleichstrom.
Was ist ein FI Typ F?
Ein Typ-A-FI mit erweitertem Erfassungsbereich für Mischfrequenzen, wie sie einphasige Frequenzumrichter in Waschmaschinen oder Wärmepumpen erzeugen. Er ist kurzzeitverzögert und unempfindlicher gegen Stoßströme.
Quellen: DIN EN 61008-1 (FI-Schutzschalter), DIN EN 61009-1 (FI/LS-Schalter), DIN EN 62423 (Typ F und B), DIN VDE 0664-400 (Typ B+); DIN VDE 0100-410, -482, -530 und -722; Herstellerangaben zu den Artikeln in unserem Sortiment, Stand 30.10.2026.